IEC 61000-4-x Zusammenfassung: EMV-Grundnormen für Störfestigkeitsprüfungen
Überblick über die Reihe IEC 61000-4 (ESD, gestrahlte HF, EFT, Surge, leitungsgeführte HF, Magnetfeld, Spannungseinbrüche): Prüfkonzepte, typische Prüfpegel und Bewertungskriterien.
Rechner: Erforderliche Leistung für gestrahlte Störfestigkeit (V/m → W) Rechner: dB ↔ Verhältnis Umrechner (Leistung/Spannung) Umrechnungstabelle: dB ↔ Verhältnis
Auf einen Blick
- IEC 61000-4-x ist die Reihe, die Prüf- und Messverfahren der EMV festlegt, vor allem Verfahren für Störfestigkeitsprüfungen.
- Es handelt sich um EMV-Grundnormen: Sie legen nur Prüfverfahren, Kurvenformen und Anforderungen an die Prüfeinrichtungen fest. Welche Pegel gelten und was als bestanden gilt, bestimmt die Fachgrund- oder Produktnorm.
- Für Multimediageräte zum Beispiel verweist CISPR 35 (EN 55035) auf die Teile 4-2, 4-3, 4-4, 4-5, 4-6, 4-8, 4-11 und weitere und legt Pegel und Kriterien fest.
Die wichtigsten Teile auf einen Blick
| Teil | Prüfung | Phänomen |
|---|---|---|
| 4-2 | Störfestigkeit gegen elektrostatische Entladung (ESD) | Statische Entladung von Personen und Gegenständen |
| 4-3 | Störfestigkeit gegen hochfrequente elektromagnetische Felder | Externe HF-Felder von Sendern |
| 4-4 | Störfestigkeit gegen schnelle transiente elektrische Störgrößen/Burst (EFT/B) | Schnelle Impulse durch Schalten von Relais und Schützen |
| 4-5 | Störfestigkeit gegen Stoßspannungen (Surge) | Energiereiche Transienten durch Blitz und Schaltvorgänge |
| 4-6 | Störfestigkeit gegen leitungsgeführte Störgrößen, induziert durch hochfrequente Felder | Auf Kabel eingekoppelte HF-Ströme/-Spannungen |
| 4-8 | Störfestigkeit gegen Magnetfelder mit energietechnischen Frequenzen | Felder in der Nähe von Transformatoren und stromführenden Leitern |
| 4-9 / 4-10 | Störfestigkeit gegen impulsförmige Magnetfelder / gedämpft schwingende Magnetfelder | Magnetische Transienten durch Blitz und Schaltvorgänge |
| 4-11 | Störfestigkeit gegen Spannungseinbrüche, Kurzzeitunterbrechungen und Spannungsschwankungen | Verminderte Netzqualität |
| 4-12 / 4-18 | Störfestigkeit gegen Ringwellen / gedämpft schwingende Wellen | Schwingende Transienten durch Schaltvorgänge |
| 4-14 / 4-15 | Störfestigkeit gegen Spannungsschwankungen / Flickermeter | Schwankende oder flackernde Versorgungsspannung |
Die Reihe umfasst außerdem Prüfeinrichtungen (4-20 TEM-Wellenleiter, 4-21 Modenverwirbelungskammern, 4-22 Vollabsorberräume), HEMP und die Messung der Spannungsqualität (4-30).
Typische Prüfpegel und Kurvenformen
| Teil | Typische Prüfpegel | Wesentliches zu Kurvenform / Bedingungen |
|---|---|---|
| 4-2 ESD | Kontakt ±2, ±4, ±6, ±8 kV / Luft ±2, ±4, ±8, ±15 kV | Anstiegszeit 0.8 ns ±25 %; Spitzenstrom etwa 15 A bei 4 kV Kontakt (etwa 3.75 A pro kV) |
| 4-3 Gestrahlte HF | Typisch 1, 3, 10 V/m (höhere Pegel je nach Produktnorm) | 80 % AM bei 1 kHz; Prüfung nach Feldkalibrierung über eine homogene Fläche |
| 4-4 EFT | Versorgungsanschlüsse ±0.5, ±1, ±2, ±4 kV / Signalanschlüsse ±0.25, ±0.5, ±1, ±2 kV | 5/50-ns-Impuls, Wiederholfrequenz 5 kHz oder 100 kHz |
| 4-5 Surge | ±0.5, ±1, ±2, ±4 kV | 1.2/50 µs Leerlaufspannung, 8/20 µs Kurzschlussstrom; Koppelimpedanz 2 Ω Leiter-Leiter, 12 Ω Leiter-Erde |
| 4-6 Leitungsgeführte HF | 1, 3, 10 V (EMK) | 150 kHz–80 MHz, 80 % AM bei 1 kHz, Koppel-/Entkoppelnetzwerke (CDN) |
| 4-8 Netzfrequentes Magnetfeld | 1, 3, 10, 30, 100 A/m | Kontinuierliches 50/60-Hz-Feld, angelegt mit einer Induktionsspule |
| 4-11 Spannungseinbrüche | Restspannung wie 0 %, 40 %, 70 % kombiniert mit Dauern | Kombinationen legt die Produktnorm fest; Phasenwinkel und Wiederholung sind ebenfalls festgelegt |
Der Prüffrequenzbereich von 4-3 unterscheidet sich zwischen den Ausgaben; die neueste Ausgabe erweitert ihn bis 6 GHz. Die angegebenen Werte sind typisch; die für ein Produkt geltenden Pegel stammen aus seiner Produktnorm.
Bewertungskriterien (A, B, C)
| Kriterium | Bedeutung |
|---|---|
| A | Normale Funktion während und nach der Prüfung erhalten, ohne Beeinträchtigung oder Funktionsverlust |
| B | Vorübergehende Beeinträchtigung während der Prüfung zulässig; der Prüfling erholt sich danach selbsttätig ohne Eingriff des Bedieners |
| C | Funktionsverlust während der Prüfung zulässig, wiederherstellbar durch Eingriff des Bedieners (Reset, Neustart); Regeln zum Datenverlust werden gesondert festgelegt |
Welches Kriterium für welche Prüfung gilt, legt die Produktnorm fest (z. B. EN 55035). Halten Sie die Bewertungsmethode vorab im Prüfplan fest.
Praktische Hinweise je Prüfung
- ESD: Kontaktentladung bevorzugen, Luftentladung an nichtleitenden Oberflächen anwenden. Legen Sie vorab fest, welche Punkte Entladeziele sind (Steckergehäuse, Metallgehäuse, Tasten). Indirekte Entladung auf Koppelplatten (HCP/VCP) gehört ebenfalls dazu.
- Gestrahlte HF: Zuerst kommt die Kalibrierung der Feldhomogenität, und wegen 80 % AM benötigt der Verstärker etwa +5 dB Spitzenleistungsreserve gegenüber unmoduliertem Betrieb. Schätzen Sie die benötigte Leistung mit dem Rechner "Erforderliche Leistung für gestrahlte Störfestigkeit" ab.
- EFT/Surge: Wiederholen Sie für jeden Koppelpfad (Leiter-Leiter / Leiter-Erde), jede Polarität und jeden Phasenwinkel. Die Platzierung von Netzfilter und TVS (nahe am Eingang, kürzester Masseweg) entscheidet oft über Bestehen oder Nichtbestehen.
- Leitungsgeführte HF (4-6): Der Aufbau hängt von Kabellänge und CDN-Typ ab. Tritt eine Fehlfunktion nur bei bestimmten Frequenzen auf, ist eine Kabelresonanz zu vermuten.
- Spannungseinbrüche (4-11): Größe des Eingangskondensators und Überbrückungszeit bestimmen das Ergebnis maßgeblich.
Offizielle Quellen
- Prüfen Sie die neueste Ausgabe jedes Teils im IEC Webstore (https://webstore.iec.ch). Die Überarbeitungszyklen unterscheiden sich je Teil.
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Normen-Zusammenfassungen
Ergebnisse und Zusammenfassungen dienen nur als Referenz. Verwenden Sie für Zertifizierungen und Prüfberichte den aktuellen Normtext und Daten kalibrierter Messgeräte.